Rudolf Steiner Schule Siegen

Besonderheiten

Orchester
Um seinen musikalischen Horizont erweitern zu können, wird in dieser Schule das Teilnehmen an Orchester- und Chorunterricht angeboten. Im Unterstufenorchester werden kleinere Stücke von Schülern der Klassen 6 bis 8 eingeübt, die dann bei Schulfeiern und Schulkonzerten präsentiert werden.
Das Oberstufenorchester beinhaltet das Erlernen von bekannten anspruchsvollen Werken der großen Meister, die von Schülern der Klassen 9 bis 12 eingeprobt werden.
Der Chor bietet eine beliebte Alternative für Schüler der Klassen 9 bis 12, die ihr Musikinteresse außerhalb des Orchesters erweitern möchten.

Klassenspiele
Kinder schauspielern im Grunde dauernd: Sie ahmen eine Tätigkeit nach und dadurch können sie etwas lernen. So entwickeln wir Menschen uns von klein auf. Ohne diese Fähigkeit gäbe es keine Veränderung unserer Person. Das wirkliche Selbst wird davon permanent umspielt. Prägungen von außen, aber auch die innere Entwicklung – der Mensch, den man in den verschiedenen Konstellationen darstellt und verkörpert, ermöglicht Begegnungen mit dem eigenen Selbst. So wie unser Körper sich während der Lebenszeit verändert, verändert sich unsere Persönlichkeit – man könnte auch vom seelischen Wachstum sprechen, welches uns niemand mehr nehmen kann. Der Mensch trägt das Bedürfnis nach Entwicklung in sich, deshalb ist das Rollenspiel als ein Grundbedürfnis anzusehen.

Die erwachsenen Begleiter eines Stückes sollten sich diese Bedeutung  des Theaters klar machen und die Möglichkeiten, die darin liegen – auch die negativen.  Deshalb trägt der Regisseur, besonders wenn er mit Kindern und Jugend­lichen arbeitet, eine große Verantwortung. Wenn er gemeinsam mit der Klasse das richtige Stück findet, ist schon ein wichtiger Schritt getan, um gute Ergebnisse, die nicht immer auf der Bühne sichtbar werden müssen, zu erzielen.

Zwischen der Klasse und dem Stück muss es funken. Die Auswahl eines Stücks ist daher  eine pädagogische Aufgabe, in die die Schüler einbezogen werden. Wir wollen erreichen, dass die Schüler sich mit dem Stück verbinden und der »Theaterfunke« überspringt. Nur wenn die Schüler sich mit dem Stück und ihrer Rolle identifizieren, Anteile ihrer selbst in ihr wiedererkennen, auch Anteile, die sie vielleicht erst entdecken und entwickeln werden, finden sie die nötige Begeisterung und das Feuer, die für das Spielen gebraucht werden. Es muss eine Resonanz zwischen Klasse und Stück geben.

Was lernt nun der einzelne Schüler durch die Gestaltung seiner Rolle? Nichts wirkt enttäuschender auf der Bühne, als ein Schauspieler, der nur sich selbst spielt. Die Schüler müssen lernen, in eine andere Haut zu schlüpfen. Das verlangt die Fähigkeit „von sich loslassen zu können“ und sich ganz dem anderen zu Verfügung stellen zu können. Das dramatische Prinzip besteht ja gerade in dieser Verwandlungsfähigkeit, in diesem „Ein-ganz-anderer-Sein“. Das ist ein hohes, ja schier unerreichbar scheinendes Ziel. Aber in diesem Ziel liegt Entwicklung, die man bei den Aufführungen unterschiedlicher Altersstufen deutlich erkennen kann. Hier trifft das weise Wort «der Weg ist das Ziel» zu, d.h. nicht eine besonders erfolgreiche Aufführung steht im Vordergrund, sondern der Prozess. Dieser Prozess beginnt mit den kleinen Darbietungen in der Unterstufe, entwickelt sich im Achtklass-Spiel weiter und krönt in der Aufführung der 12.Klasse und er ist bei der Erarbeitung jedes einzelnen Stückes erkennbar. Die Schüler verändern sich – sie lernen für das Leben!

Neben der künstlerischen Arbeit haben die Klassenspiele eine enorme Bedeutung für das soziale Leben: Es muss jeder gänzlich präsent sein und nur im Mittun aller kann sich der Erfolg entwickeln. Man lernt alle Beteiligten ganz neu kennen, man reibt sich um der Sache willen aneinander, aber man hat auch viel Spaß miteinander. Die Gemeinschaft wird gestärkt.

Die Theaterbühne ist also eine wichtige Vorbereitung der Schüler für die „Lebensbühne“.

Waldorfabschluss

Die Schüler erwerben zusätzlich zu den staatlichen Abschlüssen Qualifikationen auf künstlerischem, sozialem und persönlichem Gebiet, die zum Waldorfabschluss zusammengefasst werden. Die Ergebnisse werden der Öffentlichkeit dargeboten im Schauspiel gegen Ende des 12. Schuljahres, in der Präsentation der Zwölftklassarbeiten im Januar/Februar und im Kunstabschluss vor Ostern.

12. Klassarbeiten im Rahmen des Waldorfschulabschlusses
Die Zwölftklassarbeit bildet einen wesentlichen Schlusspunkt der Waldorfschulzeit an der Rudolf Steiner Schule Siegen. Jede Schülerin und jeder Schüler soll sich dabei mit einem selbst gewählten Thema auseinandersetzen und von seinen Gedanken und Erkenntnissen sowie von seinen Erlebnissen und Erfahrungen schriftlich und mündlich berichten. Die Arbeit stellt die Gelegenheit und Verpflichtung dar, sich initiativ, selbständig und verbindlich in einem Arbeitsprozess innerhalb eines vorgegebenen Zeitrahmens von 8 Monaten zu beweisen. Hier wird im Grunde genommen schon die Systematik einer Facharbeit eines Studenten an der UNI geprobt. Die Jugendlichen präsentieren ihre Arbeiten abschließend in einer Ausstellung und halten ihre Vorträge vor öffentlichem Publikum. Wenn man bedenkt, dass der Vortrag auch schon eine Prüfungssituation ist, denn neben der schriftlichen Arbeit wird auch der Vortrag beurteilt, ist dies schon eine große Herausforderung für die jungen Menschen.

Werken
Im Handarbeits-, Gartenbau- und Werkunterricht lernen die Kinder, mit den verschiedensten Materialien umzugehen. Jedes Material hat spezifische Eigenschaften und verlangt eine eigene Behandlungsweise.
Die Erfahrungen, die dabei gemacht werden, helfen den Kindern, sich auf unterschiedliche Situationen einzustellen und eine angemessene Handlungsweise zu entwickeln.

Gartenbau
Im Gartenbauunterricht lernen die Schüler sowohl mit Pflanzen als auch mit Tieren verantwortungsvoll umzugehen. Sie lernen den Boden zu bearbeiten und naturgerechten Umgang zu praktizieren. In der Winterzeit binden die Schüler sogar Weihnachtskränze, die auf dem alljährlichen Basar ausgestellt und verkauft werden.

Praktika – Verstanden wird etwas, wenn es praktisch wird.

Ein Praktikum bedeutet für den Schüler Lebenskunde im buchstäblichen Sinne. Lebenskunde im engeren Sinne beginnt erstmals um das neunte Lebensjahr herum mit den Sachkunde -Epochen; die Kinder erfahren tätig von der Arbeit des Bauern, sie pflügen, säen, dreschen; später wird Brot gebacken und in der „Hausbau-Epoche“ wird auch praktisch gebaut. Einen kräftigen Akzent erfährt das lebenskundliche Prinzip des gesamten Unterrichts mit den Praktika in der Oberstufe. Sie führen über Entdeckungen außerhalb des Schulraums zu neuen und besseren Vorstellungen über die Wirklichkeit außerhalb der Schule: das Landwirtschaftspraktikum in der neunten Klasse, das Feldmesspraktikum in der zehnten Klasse und das Industrie- oder Sozialpraktikum in der elften Klasse. Hier wird nicht nur beobachtend gelernt, sondern mitgearbeitet, und die Arbeit hat ihren Zweck nicht in sich selbst, sondern in dem Nutzen, den sie anderen Menschen bringt – so bescheiden er auch wegen der Kürze der Zeit, die für Praktika zur Verfügung steht, sein mag.

Das Feldmesspraktikum findet in der 10. Klasse statt und dauert ca. zwei Wochen. Dort lernen die Schüler mit Kompass und Theodoliten zu vermessen. Die Messergebnisse werden bei der Erstellung von Karten genutzt. Die Grundlagen des Vermessens werden in der Mathematik erarbeitet. Dieses Praktikum vermittelt sehr anschaulich, dass Mathematik nicht nur auf dem Papier existiert, sondern auch in Natur und Praxis.

Das Landwirtschaftspraktikum wird in der Regel in der Klasse 9 geleistet. Die Schülerinnen und Schüler leben und arbeiten für 3 Wochen auf einem (Bio-) Bauernhof. Oft ist das Landwirtschaftspraktikum die erste Zeit, die sie ohne ihre Familie, ohne ihre Klasse oder ohne ihren Freundeskreis verbringen. Verbunden mit einem elementaren Bewegungsdrang, wollen junge Menschen dieses Alters, die Glieder kraftvoll einzusetzen, wollen junge Menschen dieses Alters ihren Willen erproben und Aufgaben erfüllen, die Tat- kraft und Umsicht, Mut und Geistesgegenwart erfordern. Dazu kommt der gesunde, natürliche Trieb, hinaus in die Natur zu gehen, der in unseren Industriegebieten ohnedies viel zu wenig befriedigt wird. Die Schüler befassen sich intensiv, nämlich durch konkrete Mitarbeit in einem landwirtschaftlichen Betrieb, mit der Urproduktion, mit der Pflege der Landschaft und der Erde. Während dieser Zeit arbeiten sie einzeln oder in Gruppen auf einem Bauernhof und gewinnen dort – meist erstmalig – Ein- blick in das Arbeits- und Erwerbsleben in seiner ursprünglichen Form.

Das Industrie- und Sozialpraktikum ist ein dreiwöchiges Praktikum in der Klasse in Betrieben und sozialen Einrichtungen. Hier erleben die Schüler in selbstgewählten Berufen die Arbeitswelt, für viele eine erste Orientierung auf ihrem weiteren Ausbildungsweg.

Das Forstpraktikum (1- bis 2-wöchig) absolvieren die Schüler in der 7. Klasse. Sie lernen, unter der Anleitung von engagierten Forstwirten, was Waldpfle-ge bedeutet. Dabei wird die Erfahrung, wie körperlich anstrengend es ist, einige hundert Baumsetzlinge zu pflanzen, Lawinenschutz zu betreiben, Stei- ge anzulegen und dabei auch noch das Werkzeug und Material an schwer zugängliche Stellen zu schleppen, zu einem unvergesslichen Erlebnis. Der Schüler geht hinterher mit ganz anderen Augen durch den Wald und Schutz und Pflege des Waldes wird ihm selbst zum Anliegen.

Künstlerischer Abschluss

Text derzeit in Überarbeitung.

Eurythmie
Theaterspiel, Eurythmie oder gemeinsames Musizieren entwickeln die Individualität in der Gemeinschaft und stellen ein bedeutsames Erfahrungsfeld sozialen Lernens dar. Dabei wird der Beitrag des Einzelnen zum unverzichtbaren Bestandteil des Ganzen. Unterschiedliche Begabungsstufen, vielfältige Neigungen und Intentionen müssen aufeinander abgestimmt und miteinander verbunden werden. So lernen die Schüler, ihre Individualität in der Gemeinschaft zu entwickeln. Außerdem schulen die Kinder im Eurythmieunterricht ihre rhythmischen und räumlichen Empfindungen.

Finanzierung
Waldorfschulen sind ein Bestandteil des öffentlichen Bildungswesens. Daher haben sie Anspruch auf finanzielle staatliche Förderung. In Nordrhein-Westfalen werden 85% der anerkannten Schulkosten erstattet. Da wir aber mehr Angebote* als an staatlichen Schulen finanzieren müssen, werden wir in Summe nur zu 70% refinanziert. 30% des Schulhaushaltes sind durch die Solidargemeinschaft der Eltern und Förderer aufzubringen.
Ganz wichtig ist folgender Grundsatz: Erst nachdem das Kind aufgenommen ist (pädagogische Aufnahme), wird mit den Eltern ein Gespräch über die Finanzstruktur der Schule geführt. Die Eltern schätzen darin ihre Möglichkeiten zur finanziellen Unterstützung der Schule selbstständig ein. So ist es ausgeschlossen, dass ein Kind aus finanziellen Gründen die Schule nicht besuchen kann.

*die zusätzlichen Angebote beinhalten neben einem erweiterten Unterrichtsbereich auch das attraktive und schöne Schulgebäude mit einer sehr guten Ausstattung, vom phantastischen Saalbau über die Schmiede, bis hin zum Computerraum.

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